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Neuer Gesetzesentwurf droht Energiewende auszubremsen

Webartikel: Neuer Gesetzesentwurf

Falls ihr mit dem Gedanken spielt, eine PV-Anlage auf eurem Dach zu installieren, dann besser bald. Denn sollte der Gesetzesentwurf von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche durchgehen, so wird der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland in Zukunft nahezu unmöglich gemacht. Was sind die wesentlichen Punkte des sogenannten Netzpakets und wie bremsen sie gezielt die Energiewende aus? Wir haben sie zusammengestellt (überwiegend orientiert an [1], [2], [3]):


1. »Kapazitätslimitierung«: Keine Entschädigungen mehr bei Abregelung

Bisher ist es noch so, dass Besitzer einer Erneuerbare Energien-Anlage eine Entschädigung ausbezahlt bekommen, wenn es zu Abregelungen kommt, d.h. wenn die Stromerzeugung aufgrund von Netzüberlastungen bei zu viel Stromerzeugung gedrosselt werden muss. Diese sogenannten Redispatch-Zahlungen sollen den Betreibern den Strom, den sie nicht ins Netz einspeisen konnten, entschädigen. Doch der Gesetzesentwurf will das ändern. In Gebieten, in denen das Netz besonders belastet ist, sollen Redispatch-Zahlungen wegfallen — aber nur für Erneuerbare Energien-Anlagen, nicht für Kohle- und Erdgaskraftwerke. Zudem wird die im Netzpaket festgelegte Belastungsgrenze, die als »kapazitätslimitiert« gilt, laut Experten nahezu überall in Deutschland erreicht [5]. Hinzu kommt, dass das Ganze bis zu 10 Jahre lang gelten soll, was die dringend notwendige Energiewende komplett zum Erliegen bringen würde.

2. »Baukostenzuschüsse«: Die, die das Netz entlasten, müssen für den Netzausbau zahlen

Wer eine Erneuerbare Energien-Anlage bauen möchte, soll in Zukunft nicht nur die Kosten für deren Installation tragen, sondern auch noch Baukostenzuschüsse an die Netzbetreiber zahlen, womit das Stromnetz weiter ausgebaut und verstärkt werden soll. Das heißt: nicht nur »Volleinspeiser« zahlen drauf, sondern auch diejenigen, die das Netz sogar gleich doppelt entlasten, also Prosumer (= Producer + Consumer), Eigenverbraucher und Speicherbetreiber, die durch die eigene Erzeugung sowohl weniger Strom einspeisen als auch weniger Strom beziehen. Die Baukostenzuschüsse können zudem die Netzbetreiber selber festlegen.

3. Netzbetreiber müssen erneuerbare Energien nicht mehr priorisieren

Bisher ist es im Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) so geregelt, dass grüner Strom Vorrang hat: Erneuerbare Energien-Anlagen dürfen zuerst ans Netz und den Strom als erstes einspeisen. Doch auch das soll aufgeweicht werden: Bei Anlagen mit einer Leistung von mehr als 135 Kilowatt sollen Netzbetreiber selber die Reihenfolge festlegen dürfen, in der verschiedene Energiequellen ans Netz kommen. Damit wird noch mehr Entscheidungsgewalt in die Hände der Netzbetreiber gelegt, die mit ihren Netzentgelten natürlich ein klares wirtschaftliches Interesse verfolgen: je höher der Strombezug, desto höher ihre Einnahmen. Haushalte mit Eigenverbrauch werden da nicht gerne ans Netz gelassen.



Was bedeutet der Gesetzesentwurf für die Energiewende in Deutschland?

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Das Netzpaket von Katherina Reiche ist ein gezieltes Ausbremsen der Energiewende und wäre bei tatsächlicher Realisierung ein wirtschaftliches Desaster. Zwar soll der Gesetzesentwurf angeblich die Stromkosten für den Verbraucher senken [5], allerdings wird langfristig das genaue Gegenteil damit erreicht: Kohle und Erdgas gehörten 2024 zu den teuersten Stromquellen auf dem Markt (s. Grafik links, [6]). Außerdem wird Deutschland durch die stark einschränkenden Bedingungen beim Ausbau erneuerbarer Energien als Investitionsstandort unattraktiv, zeitgleich geben andere Länder wie China gerade rasantes Tempo beim Zubau erneuerbarer Energien [7]. Wo andere Länder in die Zukunft blicken, halten wir weiterhin an endlichen, fossilen Ressourcen fest und sind dabei, den Anschluss an die Energiewende endgültig zu verpassen.


Was können wir dagegen jetzt tun?

Zum einen sollten wir weiter erneuerbare Energien ausbauen, solange noch die bisherigen Gesetze gelten. Zum anderen können wir einen Brief an den in unserer Region zuständigen Abgeordneten schicken: Der Brief ist vorgefertigt, kann aber auch noch geändert werden, und setzt ein klares Statement für die Energiewende und gegen die weitere Unterstützung fossiler Energien. Unter dem folgenden Link kommt ihr zum Brief, der für euch ausgedruckt und eingereicht wird:


Quellen:

[1] https://www.youtube.com/watch?v=7LilM1SMSTY, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[2] https://www.photon.info/news/referentenentwurf-durchgesickert-reiche-plant-vollbremsung-fuer-ee-zubau/, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[3] https://www.pv-magazine.de/2026/02/13/der-gesetzentwurf-zum-netzpaket-von-ministerin-reiche-ist-ein-frontalangriff-gegen-den-ausbau-der-erneuerbaren, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[4] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/reform-ausbau-erneuerbare-energien-100.html, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[5] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/erneuerbare-energie-kritik-an-reiches-reformplaenen,VAqmMRq, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[6] https://de.statista.com/infografik/26886/stromgestehungskosten-fuer-erneuerbare-energien-und-konventionelle-kraftwerke-in-deutschland/, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[7] https://www.volker-quaschning.de/statistiken/weltweite-photovoltaikleistung-2025/index.php, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

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