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Beim Klimaschutz geht’s um die Wurst: Der Einfluss der Fleischlobby

Fleischproduktion in Deutschland

Webartikel Fleischlobby
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Tonnen CO2-Äquivalente wurden durch die Produktion von Rind-, Schweine- und Hähnchenfleisch in Deutschland 2025 emittiert.

Im letzten Jahr lagen die Emissionen, die bei der Produktion von Rind-, Schweine- und Hähnchenfleisch in Deutschland entstanden sind, bei ca. 38,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten (CO2e) (basierend auf Zahlen aus [1, 2, 3]). Das entspricht etwa

  • dem durchschnittlichen CO2e-Fußabdruck pro Jahr von rund 4 Mio. Menschen in Deutschland [4],
  • den Emissionen von ganz Dänemark (38,26 Mio. Tonnen CO2e) oder der Slowakei (39,00 Mio. Tonnen CO2e) jeweils aus dem Jahr 2024 [5],
  • 19 Millionen Mal von Frankfurt nach New York fliegen und wieder zurück [6].


Was sind CO2-Äquivalente (CO2e)?
»Mit dem CO2-Äquivalent wird die Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase im Vergleich zu derjenigen von Kohlendioxid ausgedrückt. Dabei wird die Menge an Treibhausgas in die entsprechende Menge CO2 umgerechnet, die über einen gegebenen Zeitraum dieselbe Erwärmung bewirkt. Um Emissionen zu berechnen, werden zur Vergleichbarkeit die Treibhausgaspotentiale für den Zeitraum von 100 Jahren zugrunde gelegt.« [7]


Gängige Praktiken der Fleischlobby

Die obigen Zahlen zeigen: Die Menge an Emissionen durch Fleischkonsum allein in Deutschland ist enorm, und 2025 war die Fleischproduktion gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert [8]. Enorm ist auch der politische Einfluss der Fleischlobby. Zwar sind ihre konkreten Praktiken teils subtil, jedoch gibt es gängige Techniken wie z.B. gesponserte Inhalte in Fachartikeln mit unauffälliger Kennzeichnung oder das Anzweifeln des wissenschaftlichen Konsens [9].

Oder, wie im Falle des Klimaberichts des Weltklimarats (IPCC), sogar die Einflussnahme auf wissenschaftliche Veröffentlichungen: In der ursprünglichen Fassung des Klimaberichts 2023 hatte der IPCC eine pflanzenbasierte Ernährung empfohlen, da diese »die Treibhausgasemissionen im Vergleich zur durchschnittlichen emissionsintensiven westlichen Ernährung um bis zu 50 % reduzieren kann« [übersetzt aus 10]. Davon übrig blieb in der veröffentlichten Version nur die Empfehlung einer »ausgewogenen, nachhaltigen gesunden Ernährung unter Berücksichtigung der Nährstoffbedürfnisse« [übersetzt aus 10]. Dabei ist der Fleischkonsum eine entscheidende Stellschraube, an der wir zugunsten des Klimas drehen können, wie Volker Quaschning in diesem Instagram-Reel kurz und prägnant erklärt.

Zudem gibt es eine Reihe von Studien, die einen negativen Einfluss (erhöhten) Fleischkonsums auf die menschliche Gesundheit nachweisen: So steigt das Risiko für Krebs, Herzkrankheiten, eine verkürzte Lebenserwartung und sogar Alzheimer bei Menschen, die (mehr) Fleisch essen [21].


Jüngstes Beispiel: Debatte um Bezeichnungen wie Veggieburger und Tofuwurst

Das Thema Fleischreduzierung scheint ein Tabu zu sein, der weitere Konsum darf offenbar unter keinen Umständen gefährdet werden. Im Nachfolgenden beleuchten wir ein aktuelles Beispiel, was den Schutz von Fleisch durch die Politik verdeutlicht:

Webartikel Fleischlobby

Im letzten Jahr hat die Europäische Volkspartei (EVP) den Antrag vorgelegt, bestimmte Bezeichnungen aus der Fleisch-Branche, z.B. Burger oder Wurst, für die pflanzlichen Versionen in der EU zu verbieten. Das heißt: Künftig sollten pflanzliche Fleischersatzprodukte nicht mehr Namen wie Veggieburger oder Tofuwurst tragen dürfen [15].

Vonseiten der CDU/CSU, die der EVP angehören, gab es Zustimmung zum Antrag. So meinte Alois Rainer (CSU), Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat seit Mai 2025 und ausgebildeter Metzger: »Für mich persönlich ist ein Schnitzel aus Pute, Kalb oder Schwein« [15]; von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kam: »Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan.« [15] Und was ist mit Bezeichnungen wie Leberkäse oder Lachsschinken? Leberkäse ist kein Käse, Lachsschinken kein Lachs. Keine der beiden Bezeichnungen wird kritisch diskutiert.

Als Begründung wurde der Verbraucherschutz vorgeschoben, es bestehe »ein echtes Verwechslungsrisiko« [11] laut Céline Imart, französische Abgeordnete im Europaparlament. Sie sei maßgeblich verantwortlich gewesen für den Antrag und wollte »damit nach eigener Aussage die Interessen französischer Rinderbauern schützen« [12]. Von 2014 bis 2018 war Imart Vize-Präsidentin des landwirtschaftlichen Berufsverbands Jeunes Agriculteurs [13], der auf seiner Internetseite über sich schreibt, dass die Gewerkschaft regelmäßig Lobbyarbeit bei den parlamentarischen Versammlungen betreibe [14].

Unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes will die EU vertraute Begriffe wie Tofuwürstchen oder Seitanschnitzel verbieten – das ist nicht Verbraucherschutz, das ist Lobbyismus im Dienste der Fleischindustrie. — Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland, zitiert aus [15]

Letztlich kam der Antrag nicht in Gänze durch: Zwar sollen spezifischere Bezeichnungen wie Hühnchenschenkel oder Rinderhüfte verboten werden, allgemeinere Namen wie Veggieburger oder Seitanschnitzel sind jedoch erstmal weiterhin erlaubt [12]. Dennoch zeigt das Vorgehen, auf welche Weise gezielt Steine in den Weg gelegt werden, wenn es darum geht, eine pflanzenbasiertere Ernährung zu etablieren. Probleme werden dort geschaffen, wo keine sind, aber es gerade passt, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Wo bleibt beispielsweise der Aufschrei bei Begriffen wie Kakaobutter, die keinerlei tierisches Fett enthält, Scheuermilch, die zwar vegan ist, aber dennoch Milch im Titel tragen darf, oder Filetgrundstück, ein Begriff, der nicht mal aus dem Lebensmittelkontext stammt, sondern aus der Immobilienbranche?


Mehrwertsteuer auf Fleisch und andere tierische Produkte

Vielleicht sollte man, wenn es um Verbraucherschutz und die Sorge über Verwirrung geht, eher die Besteuerung pflanzlicher Produkte transparenter erklären: So fällt aktuell auf vegane/vegetarische Fleischersatzprodukte, wie z.B. vegane Bratwürstchen, eine ermäßigte Mehrwertsteuer von 7%, auf pflanzliche Milchalternativen wie Hafermilch hingegen die vollen 19%. Rührt man die Hafermilch allerdings selber an, zahlt man auf das dafür notwendige Haferpulver wiederum nur 7% Mehrwertsteuer (siehe z.B. [16]). Schaut man in die entsprechende Gesetzesanlage [17], kann man sich fragen, ob nicht sowohl Haferpulver als auch Hafermilch als »Zubereitungen aus Getreide« (Punkt 31 in [17]) gelten und somit beide mit nur 7% besteuert werden müssten.

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Fleisch und andere tierische Produkte genießen nach aktuellem Gesetz den reduzierten Steuersatz von 7%. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt das zu ändern und diese Produkte mit den vollen 19% zu besteuern, gleichzeitig solle sowohl die ermäßigte Mehrwertsteuer weiter gesenkt als auch der öffentlichen Nahverkehr steuerlich entlastet werden [18]. Ob dies sozial ungerecht ist, verneint das UBA:

Es ist wahrscheinlich, dass Bezieher niedriger Einkommen im Durchschnitt netto leicht entlastet werden, denn sie geben z.B. absolut und gemessen an ihrem Einkommen weniger für Fleisch und Fleischwaren aus als Haushalte mit hohen Einkommen und profitieren gleichzeitig von den Mehrwertsteuersenkungen bei anderen Lebensmitteln und insbesondere dem öffentlichen Nahverkehr. — UBA, zitiert aus [19]

Zudem würden bei gleichbleibendem Fleischkonsum die Klima- und Umweltkosten, z.B. steigende Preise von Grundnahrungsmitteln wie Brot und Reis, vor allem Menschen mit niedrigerem Einkommen treffen.


Ausblick

Essen gehört zur Kultur und Fleisch ist Teil vieler, Jahrhunderte alter Traditionen und Rezepte. Möchte man diese Traditionen jedoch langfristig an die nachfolgenden Generationen weitergeben, muss für ihre Zukunft erstmal gesorgt werden. Ohne Klimaschutz ist dies nicht möglich und eine deutliche Reduzierung des Fleischkonsums spielt dabei eine entscheidende Rolle. Und wenn ein pflanzlicher Ersatz wie z.B. Tofu mit den vielfältigen Aromen der jeweiligen Küche zubereitet und dem traditionellen Gericht ebenso gerecht wird, welchen Vorteil hat dann noch Fleisch?

Wenn ihr Lust habt, die vegane Küche einmal auszuprobieren, dann schaut doch z.B. auf den folgenden beiden Kanälen vorbei, dort findet ihr viele leckere Inspirationen:

Auf unserer Webseite haben wir zudem zwei Erfahrungsberichte zur veganen und flexitarischen Ernährung veröffentlicht, in denen ihr Tipps und weitere Anlaufstellen für vegane Rezepte findet!


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Quellen:

[1] https://www-genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/41331/table/41331-0001/chart/line/table-toolbar, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[2] https://www-genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/41322/table/41322-0001, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1197941/umfrage/co2-fussabdruck-von-fleisch-fisch-und-fleischalternativen-in-deutschland/, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[4] https://www.bundesumweltministerium.de/media/kohlenstoffdioxid-fussabdruck-pro-kopf-in-deutschland, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[5] https://edgar.jrc.ec.europa.eu/report_2025#emissions_table, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[6] https://www.myclimate.org/de-de/informieren/faq/faq-detail/wie-viel-ist-eine-tonne-co2/, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[7] https://www.planet-schule.de/schwerpunkt/klimawandel/glossar-klima-co2-aequivalent-100.html, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[8] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_049_413.html, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[9] https://faba-konzepte.de/lobbyismus-in-der-fleischindustrie-rechtliche-perspektiven-auf-praktiken-und-regulierungsmoeglichkeiten/, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[10] https://qz.com/ipcc-report-on-climate-change-meat-industry-1850261179?utm_source=YPL&fbclid=IwAR3oyITDVz_PoR8y9SXYxHtYB4RbuqlxUwy8d_sItswIapLdjBFhtuwTIIw, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[11] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/fleischersatz-bezeichnung-veggie-burger-eu-abstimmung-100.html, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[12] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-verggieburger-100.html, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[13] https://en.wikipedia.org/wiki/C%C3%A9line_Imart, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[14] https://www.jeunes-agriculteurs.fr/decouvrir-ja/qui-sommes-nous/, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[15] https://www.foodwatch.org/de/verbot-von-veggiewurst-und-tofuschnitzel-foodwatch-kritisiert-eu-plaene-als-absurdes-geschenk-an-die-fleischindustrie, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[16] https://www.korodrogerie.de/bio-haferpulver-fuer-haferdrink-1-kg, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[17] https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/anlage_2.html, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[18] https://www.umweltbundesamt.de/fuer-klima-umwelt-tierische-produkte-hoeher#was-empfiehlt-das-umweltbundesamt-konkret, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[19] https://www.umweltbundesamt.de/fuer-klima-umwelt-tierische-produkte-hoeher#ist-der-vorschlag-unsozial-weil-auch-geringverdiener-durch-die-hhere-mehrwertsteuer-fr-tierische-produkte-belastet-werden, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[20] https://www.instagram.com/volkerquaschning/reel/DN_McSTjz1K/, zuletzt aufgerufen am 16.04.2026

[21] https://nutritionfacts.org/topics/meat/, zuletzt aufgerufen am 21.04.2026

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