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Was uns glücklich macht

Was uns glücklich macht

 

„Wenn dich Geld nicht glücklich macht gibst du es wahrscheinlich falsch aus“ [1]

Das Streben nach Glück ist so alt wie die Menschheit. Jeder einzelne von uns wünscht sich ein zufriedenes, glückliches Leben und die Abwesenheit von Kummer und Sorgen. Wohlstand und Erfolg werden allgemein als Garanten zum Glücklichsein betrachtet und bringen all die Annehmlichkeiten mit sich, die uns lieb und teuer sind: ein tolles Auto, ein schickes Eigenheim, eine Fernreise in die Sonne, um dem tristen Novembergrau zu entfliehen. Erstaunlicherweise setzen Glücksforscher – und viele Milliardäre – aber auf ganz andere Glücksquellen als die, für die wir uns tagtäglich abrackern.

Geld schafft gute Voraussetzungen, macht aber nicht direkt glücklich

Macht Geld glücklich?

Geld und Wohlstand schaffen Voraussetzungen, unter denen man leichter glücklich wird. In Ländern mit einem hohen Bruttosozialprodukt gibt es weniger Kriminalität, weniger soziale Unterschiede und Geld gibt einem persönlich finanzielle Sicherheit [1, 2, 3]. Geld macht aber eher selten direkt glücklich. Nur 1/10 der individuellen Glücklichkeit wird bei Besserverdienern dem eigenen Gehalt zugeschrieben [4]. Dabei kommt es aber entscheidend darauf an, wie Geld verwendet wird.

Aktivitäten und Erlebnisse sind besser als materielle Güter

Gemeinsame Aktivitäten

Bis zu 40% des eigenen Glücks führen Forscher auf die Wahl unserer Aktivitäten zurück [5]. Alltägliche soziale Aktivitäten, wie der Besuch von Freunden oder generell der Kontakt zu Menschen, ermöglichen eine langanhaltende Zunahme des Glückslevels [5]. Denn als soziale Wesen haben bedeutsame und tiefe Beziehungen für uns einen hohen Stellenwert [6]. Besonders wertvoll sind auch facettenreiche, nicht vorhersehbare Aktivitäten, und zwar im täglichen Leben wie auch in der Ferienzeit [5]. Beispielsweise ist der jährliche Familienurlaub am Palmenstrand oft vorhersehbar und oft wenig mit besonderen sozialen Aspekten behaftet. Macht man dagegen eine Wandertour mit der Tochter durch die Alpen, kann dies lange als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben, da sicher viele ungeplante Dinge passieren werden, man evtl. in Unterkünften fremde Leute kennen lernt und sich voll und ganz auf den Reisepartner konzentrieren kann. Zusätzlich erscheinen uns Dinge in der Erinnerung oft noch positiver als sie tatsächlich waren [7].

Wichtig sind Aktivitäten, die mit eigenen Zielen und Werten im Einklang sind

Auch die eigene Arbeit kann sehr glücklich machen, wenn man voll und ganz hinter den Zielen des Arbeitgebers steht [3]. Jemand, der sich für etwas „Sinnvolles“ engagiert (z.B. Zukunftstechnologien, Rettung des Regenwaldes, Medizin), kann dadurch beispielsweise viel mehr Glück erfahren, als jemand der eine weniger sinnstiftende Arbeit verrichtet, selbst wenn er durch sie viel mehr Geld verdient. Dasselbe gilt für Reisen: Jemand der aus Klimaschutzgründen eine Bahnreise bucht statt zu fliegen, wird alleine dadurch Glück empfinden, weil er für sich denkt, etwas Gutes getan zu haben. Genau so geht es jemandem, der sich in der Freizeit für die freiwillige Feuerwehr engagiert.

Auch auf die Einstellung kommt es an – Erkenntnisse von Milliardären

Wer denkt „ich brauche Geld, einen Pool, ein SUV und teure Gadgets“ fokussiert sich auf Dinge die er nicht hat. Besonders reiche Menschen haben diesen Fokus selten, sie fokussieren sich z.B. auf ihre Arbeit, die sie erfüllt (und nebenbei reich macht) oder sie erfreuen sich sogar an einfachen Dingen oder ihrem Engagement für Wohltätigkeitszwecke (siehe unten). Rafael Badziag hat 21 Milliardäre für sein Buch „The Billion Dollar Secret“ interviewt [8; 9]. Dabei hat er festgestellt, dass diese Ihr Glück aus ganz anderen Dingen ziehen als Geld. In der Regel sehen diese Geld nicht als Mittel für den persönlichen Luxus an (das wäre ein Denkmuster der Armen, wie Badziag es überspitzt formuliert). Für sie sei Geld „Energie“, um Dinge wie neue Firmen zu erschaffen, und nicht zum Ausgeben. Badziag schreibt „Milliardäre sind Experten der menschlichen Psychologie, diese Fähigkeit ermöglicht es ihnen, harmonische langfristige Beziehungen aufzubauen, die zu ihrem Glück beitragen.“ Vielleicht erklärt dies, warum sich manche Milliardäre gerade im Alter vor allem wohltätig engagieren, oder warum diese Startups finanzieren, hinter denen Sie einen Wert für die Gesellschaft sehen.

Glück durch Konsum ist kurzlebig

Konsum ist ein einfach umzusetzender Weg, um kurzfristig Glück zu erfahren, gerade wenn man sich vieles leisten kann. Was soll man auch sonst mit dem Geld machen? Aber Konsum macht in der Regel viel weniger glücklich als Aktivitäten, denn schnell tritt ein Gewöhnungseffekt ein [7]. Das erste schicke Auto ist am Anfang noch etwas Besonderes, das nächste muss aber schon deutlich luxuriöser sein, um genauso glücklich zu machen. Oft macht es einen sogar unglücklich, nicht das beste Modell zu haben, weil man Vergleiche anstellt [10]. Was hat der Nachbar? Was gibt es sonst auf dem Markt, was ich eigentlich gerne gehabt hätte? Die Werbung weiß um die große Bedeutung von Erlebnissen (und weniger Produkteigenschaften) und bewirbt Produkte deshalb oft in Kombination mit diesen. Der SUV fährt durch die Wüste oder vor einem spektakulären Sonnenuntergang. Ein hochprozentiges Getränk wird mit einer spektakulären Party mit hübschen Mädchen beworben. Die Realität sieht natürlich ganz anders aus. Man wartet im Auto meistens, entweder auf ein Stauende, eine grüne Ampel oder darauf endlich einen Parkplatz zu finden. Und der Glamour-Faktor echter Partys kommt an den in der Werbung meistens nicht heran.

Wie werde ich jetzt also glücklich?

Gemeinsame Feier mit Familie unf Freunden

Glücklicher im Leben zu werden ist also möglich, wenn man seine Energie für die richtigen Dinge einsetzt. Die gute Nachricht: man muss nicht auf die erste verdiente Milliarde warten.

  • Seien Sie sie selbst: Überlegen Sie, hinter welchen Werten stehen Sie, wie könnten Sie diesen bei der Arbeit und in der Freizeit nachgehen und sich Aktivitäten suchen, die Sie sich selbstbestimmt ausgesucht haben?
  • Geben Sie dem was sie tun, einen Sinn: Als sinnstiftend werden Tätigkeiten empfunden, die den eigenen Werten entsprechen (siehe oben). Für viele Menschen hat Sinn etwas mit „für andere“ zu tun, bezieht als Mitmenschen von der nahen Familie bis hin zu Waisenkindern auf einem anderen Erdteil mit ein.
  • Erleben Sie etwas: Je facettenreicher, desto besser. Je öfter, desto besser.  Schöne Erlebnisse sollte man sich auf keinen Fall für den Urlaub aufsparen sondern häufig, unkompliziert und spontan in den Alltag einbauen.
  • Menschen sind wichtiger als Geld: In Beziehung sein mit anderen ist uns als Grundbedürfnis in die Wiege gelegt. Entsprechend groß ist der potentielle Glücksfaktor, den unsere zwischenmenschlichen Beziehungen in sich tragen.
  • Erkennen Sie die Konsum-Falle: Da das Glück durch Konsum nie lange anhält, gerät man in eine Art Teufelskreis: Man möchte nach und nach immer mehr und mehr und ist dadurch in Summe länger unglücklich als glücklich [11].

Was am Ende zählt

Was am Ende zählt

Übrigens haben wir Menschen wohl zumindest im Nachhinein ein ganz gutes Gespür für unser wahres Glück: Wenn Menschen im Sterben liegen und gefragt werden, was sie bereuen, dann spielt oft das Bedauern von zu wenig Erfüllung und zu viel Fremdbestimmtheit eine Rolle, genauso wie zu wenig Kontakt zu Freunden [12]. Viele Menschen bedauern auch, dass sie zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt hätten: „Was für ein Trottel ich gewesen bin. Ich hab’ nur gearbeitet!“ hörte eine Palliativpflegerin oft vor allem von älteren Männern. Diese sagte „Viele Patienten erkennen erst zum Schluss, dass sie die Möglichkeiten hatten, zu wählen. Sie stecken in alten Mustern und Gewohnheiten und dem Komfort der Gewohnheit“. Erlauben wir uns also lieber noch heute, glücklich zu sein!

 

Quellen

  1. Dunn, E. W., Gilbert, D. T., & Wilson, T. D. 2011. If money doesn’t make you happy, then you probably aren’t spending it right. Journal of Consumer Psychology 21: 115–125.
  2. Helliwell, J. F., Hunag, H., Wang, S., Norton, M. 2020. Social Environments for World Happiness. In Helliwel, J. F., Layard, R., Sachs, J. D. & De Neve, J. (Hrsg.) World Happiness Report 2020 (S. 12-45). New York, Sustainable Development Solutions Network. https://worldhappiness.report/ed/2020/
  3. Stavrova, O. 2019. How much do sources of happiness vary across countries? A review of the empirical literature. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 71(Suppl 1): 429–464.
  4. Di Tella, R., MacCulloch, R. J., Oswald, A. J. 2001. The Macroeconomics of Happiness. The Warwick Economics Research Paper Series (TWERPS) 615, University of Warwick, Department of Economics.
  5. Lyubomirsky, S., Sheldon, K. M., Schkade, D. 2005. Pursuing Happiness: The Architecture of Sustainable Change. Review of General Psychology 9(2): 111-131.
  6. Helliwell, J. F., Aknin, L. B., Shiplett, H., Huang, H., Wang, S. 2018. Social capital and prosocial behavior as sources of well-being. In E. Diener, S. Oishi, & L. Tay (Eds.), Handbook of well-being. Salt Lake City, UT: DEF Publishers.
  7. Alba, W. 2012. Pleasure principles: A review of research on hedonic consumption. Journal of Consumer Psychology 23(1): 2-18.
  8. Artikel von Rafael Badziag: https://www.businessinsider.de/strategy/21-milliardaere-sagen-dass-nicht-reichtum-der-grund-fuer-ihr-glueck-ist-2019-9/
  9. Video von Rafael Badziag zu Interviews mit Milliardären: https://www.youtube.com/watch?v=axPAvDH-JP0
  10. Carter, T. J., Gilovich, T. 2010. The relative relativity of material and experiential purchases. Journal of Personality and Social Psychology, 98(1): 146–159.
  11. Easterlin, R. A., McVey, L. A., Switek, M., Sawangfa, O., Smith Zweig, J. 2010. The happiness-income paradox revisited. PNAS 107(52): 22463-22468.
  12. Artikle über eine Altenpflegerin und Ihre Erfahrung mit sterbenden: https://www.smallstarter.com/get-inspired/study-reveals-5-biggest-regrets-people-have-before-die/

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Eine Antwort

  1. 21. September 2021

    […] ein anderes Lebensziel erreichen. Vielleicht eines, das uns mehr Zeit und am Ende womöglich mehr Glück beschert. Dann haben wir wirklich selber entschieden. Selbstreflektion ist also der Schlüssel. […]