Klima-Handabdruck


Habt ihr schon mal etwas vom (Klima-)Handabdruck gehört? Immer wieder wird vom CO2-Fußabdruck gesprochen und den zahlreichen Online-Rechnern, mit denen man sich den individuellen Fußabdruck ausrechnen lassen kann, d.h. die Höhe der CO2-Emissionen, die man verursacht. Woher dieses Konzept stammt, ist längst kein Geheimnis mehr: Der Fußabdruck-Rechner ist eine Werbekampagne des britischen Öl- und Gaskonzerns British Petroleum (BP) aus dem Jahr 2004, mit dem die Verantwortung für die enormen CO2-Emissionen der riesigen Öl- und Gaskonzerne auf den Einzelverbraucher abgegeben werden soll [1].
Anstatt mit dem Fußabdruck die Schuld anderen zuzuweisen, ist der Handabdruck motiviert von der Idee, durch positives Handeln richtig etwas erreichen zu können, viel mehr als mit dem Fußabdruck (wobei es natürlich trotzdem sinnvoll ist, diesen zu verringern).
Anders als mit dem Fußabdruck, der üblicherweise angibt, wie viel Schaden man an der Umwelt anrichtet, beziehungsweise wie viel Schlechtes man in der Welt hinterlässt, soll der Handabdruck eine Messgröße für positives und gestalterisches Handeln sein – quasi für das Gute, das man in der Welt bewirkt. Der Handabdruck ist somit ein optimistischer und motivierender Gegenentwurf zum Fußabdruck. — zitiert aus [2].
Wie kann ich meinen Handabdruck vergrößern und welche Wirkung hat es?
Es gibt viele Möglichkeiten, wie ihr euren Handabdruck vergrößern könnt, und das auf verschiedenen Ebenen: im privaten Kontext, im Beruf, in der Gesellschaft und in der Politik. Die folgenden Beispiele (entnommen aus [2]) zeigen, wie vielfältig der Handabdruck umsetzbar ist!

Angenommen, in deiner Uni-Mensa essen an 200 Tagen im Jahr ca. 1000 Studierende zu Mittag. Von den täglich 5 angebotenen Gerichten ist nur eins vegetarisch, teurer als die anderen 4 Fleischgerichte und wird ganz hinten angeboten. Zusammen mit ein paar Freunden und der Studierendenvertretung startest du eine Unterschriftenaktion in der Mensa für eine umwelt- und klimafreundliche Veränderung. Ein paar Wochen später geht Mensaleitung auf die Forderungen und Vorschläge ein: Ab sofort werden täglich 2 vegetarische und ein veganes Gericht an den prominent gelegenen Ausgabestationen angeboten und jeweils günstiger als die 2 verbleibenden Fleischgerichte; diese werden weiter hinten ausgegeben.
Die Treibhausgas-Einsparung ist enorm: Kurze Zeit später essen statt ursprünglich 200 auf einmal 500 Studierende mittags vegetarisch oder vegan, wodurch in der Mensa pro Jahr circa 60 Tonnen Treibhausgase vermieden werden!

Du arbeitest z.B. in einem mittelständischen Unternehmen, das pro Jahr etwa 500.000 kWh Strom verbraucht. Die Dachflächen der Produktionshallen bieten ausreichend Platz und Sonne für die Installation von Photovoltaik-Modulen. Genau diese Idee könntest du zunächst mit Kolleg*innen teilen, eigene Recherchen dazu anstellen und schließlich der Unternehmensleitung vorstellen. Mit breiter Unterstützung der Kolleg*innenschaft, inkl. des Nachhaltigkeitsmanagements, schaffst du es nach ein paar Monaten tatsächlich, die Unternehmensführung von der Idee zu überzeugen!
Etwa die Hälfte des Stromverbrauchs des Unternehmens wird durch den Solarstrom gedeckt und die CO2-Ersparnis pro Jahr läge bei rund 105 Tonnen!
Angenommen, du bist Nachhaltigkeitsmanager in deinem Unternehmen und dir ist bekannt, dass ca. 100 Angestellte des Unternehmens im Schnitt etwa 10x im Jahr eine Strecke wie die von Hamburg nach München und zurück mit dem Flugzeug zurücklegen, womit die Belegschaft jährlich auf ca. 250 Tonnen CO2 kommt. Diese enorme Emissionsmenge könnte man etwa durch Regeln für persönliche Kund*innentreffen, Videokonferenzen und Mitarbeiter*innen-BahnCards vermindern. Beim nächsten Meeting stellst du der Unternehmensführung diese Ideen vor und schaffst es schließlich, sie zu überzeugen!
Im darauffolgenden Jahr zeigen die Maßnahmen einen beeindruckenden Effekt: Jeder 2. Flug konnte durch bessere Termin-/Reiseplanung, mehr Videocalls oder Bahnfahrten vermieden werden. Das ergibt eine CO2-Einsparung von ca. 125 Tonnen!

Und, waren ein paar inspirierende Impulse dabei? 🙂
Quellen:
[1] https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/nachhaltigkeit/co2-fussabdruck-carbon-footprint-shell-exxon-bp-taeuschung-klima-100.html, zuletzt aufgerufen am 31.07.2025
[2] Baunach, G. (2023). »Hoch die Hände Klimawende« (1. Auflage), EMF Verlag.

