Deutschland verursacht nur 2%? – Warum man sich mit diesem Argument die Welt schön rechnet

Hören Sie auch immer wieder, dass Deutschland ja nur 2% der globalen CO2-Emissionen verursache und dass es sich daher nicht lohne, wenn Deutschland Klimaschutzmaßnahmen verfolge? Und dass China ja einen deutlich höheren Anteil der globalen Emissionen verursache? Was ist dran an diesen Aussagen?
1. Vergleich eines kleinen Landes mit einem sehr großen Land
Zunächst wird bei diesem Vergleich ein sehr kleines Land mit einem riesigen Land verglichen. Man könnte auch Baden-Württemberg mit China vergleichen, oder gar eine einzelne Stadt. So kann man sich die eigenen Emissionen beliebig niedrig rechnen. Doch Verantwortung verschwindet nicht, auch wenn man sie stückelt. Viel mehr Sinn macht es die Pro-Kopf Emissionen zu vergleichen. Und diese sind in Deutschland und China sehr ähnlich: In Deutschland liegen die Pro-Kopf-Emissionen bei ca. 8 t CO2 [1] pro Einwohner und Jahr (je nach Betrachtungszeitraum zwischen 6.8 [2] bis 9.8 [3] t). In China sind es etwa ebenso viele, nämlich 8.7 t [4]. Damit sind die Emissionen beider Länder im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch (globaler Durchschnitt: 4.7 t [5]).
2. Historische Emissionen
Zum Zweiten kann man sich anschauen, welcher Anteil der historischen CO2-Emissionen, also der Menge CO2, die aktuell in der Atmosphäre ist, auf Deutschland und die EU zurückgehen. Obwohl China fast dreimal mehr Einwohner hat als die gesamte EU, hat die EU insgesamt sogar etwas mehr CO2 emittiert als China [6, 7]. Mit anderen Worten, wenn man die aktuelle Menge CO2 in der Atmosphäre betrachtet, ist ein größerer Teil von der EU (301 Mrd. t) als von China (285 Mrd. t), trotz der dreimal kleineren Bevölkerung [8].
3. Wer konsumiert chinesische Güter?
Ein weiterer Aspekt ist, dass viele Emissionen, die China angerechnet werden, für Konsumgüter entstehen, die im Ausland – wie Deutschland – gekauft werden. Schauen Sie sich in Ihrer Wohnung um, was davon »Made in China« ist? Etwa 10% der Emissionen Chinas gehen auf Exportgüter zurück [9].
Wer damit argumentiert, dass Deutschland nur zu 2% zum Klimawandel beitrage, rechnet sich die Welt also schön. Dabei wird zudem außer Acht gelassen, dass China in vieler Hinsicht ganz klar in eine erneuerbare Zukunft investiert. Dies spiegelt sich darin wieder, dass in keinem Land so viele erneuerbare Energien ausgebaut werden [10] oder dass inzwischen 63% der Neuwagen Elektroautos sind [11] (Deutschland: 29% [12]). China hat erneuerbare Energien als die wichtigste Schlüsselindustrie für den künftigen Erfolg auf dem Weltmarkt erkannt [13].
Quellen:
[1] Gemeint sind jeweils CO2-Äquivalente
[3] https://www.bundesumweltministerium.de/media/kohlenstoffdioxid-fussabdruck-pro-kopf-in-deutschland
[6] https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Kohlendioxidemissionen
[7] https://ourworldindata.org/grapher/cumulative-co-emissions
[8] https://ourworldindata.org/grapher/cumulative-co-emissions
[9] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959652623015883

